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Der Seelenpolizist (Article in German)

Posted on Friday, October 27 @ 06:06:52 UTC by Macphisto
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(facts.ch) -- Der kanadische Produzent Daniel Lanois führt Musiker zu neuen Klängen. Wenn man ihn lässt. Bei der irischen Band U2 musste er das Gegenteil tun.

Von Bänz Friedli

Die Mitteilung der Plattenfirma liest sich wie eine Beschwörung: Bei «All That You Can`t Leave Behind», dem zwölften Album der irischen Rockband U2, handle es sich «um eine Rückbesinnung», steht da, «Einflüsse ihrer erfolgreichsten Alben `The Joshua Tree`, `Rattle and Hum`, `Achtung Baby` und `The Unforgettable Fire` sind offensichtlich».

Tönt ganz, als wollten die PR-Leute des Musikmultis Universal Händlern und Fans die Angst vor einem allzu komplizierten Werk nehmen. Und sich selber Mut einreden. Denn vom letzten Album «Pop», 1997 erschienen, steht gar nichts. «Pop» war ein Flop. Gegen 20 Millionen Mal hatten U2 zehn Jahre zuvor «The Joshua Tree» abgesetzt, «Pop» verkaufte gerade noch einen Zehntel davon. Die «PopMart»-Tour geriet zum Debakel, zahlreiche Stadionauftritte mussten mangels Nachfrage gestrichen, die Welttournee um ein halbes Jahr verkürzt werden. Vom angepeilten Tourneegewinn von 390 Millionen Franken blieb am Ende so wenig übrig, dass die Band sich zu Weihnachten 1998 mit der Veröffentlichung einer Best-of-CD schadlos halten musste, voller alter Heuler wie «Pride» und «With or Without You».

U2 haben aus der Niederlage gelernt, haben keine Stadien gebucht, planen keine Megashows. Dennoch liessen sie sich fürs CD-Cover schon mal in einer Abflughalle fotografieren, sozusagen auf dem Sprung zu neuem Ruhm - U2 wollen es 24 Jahre nach ihrer Gründung noch einmal wissen.

Daniel Lanois solls richten. Der kanadische Produzent ist spezialisiert auf Kriseninterventionen: verhalf Peter Gabriel nach harzigem Start zum Durchbruch als Solokünstler, hievte Bob Dylan zweimal aus dem kreativen Tief, schickte die träge gewordenen Neville Brothers auf Höhenflug, verhalf Country-Veteran Willie Nelson zu einem traumhaft frischen Klangbild, als viele ihn schon zum alten Eisen zählten.

Das Peinliche an «Pop» war, dass U2, die Rock-`n`-Roll-Handwerker aus Dublin, penetrant zeitgemäss klingen wollten - aber in dem Elektronik-Gewand, das ihnen der Sound-Tüftler Howie B als Produzent verpasste, eher lächerlich wirkten. Das Gute war, dass sie Neues probierten.

Jetzt klingen U2 wieder wie U2. Das ist zwar wenig aufregend, aber man kauft es ihnen besser ab. Kein Zufall, dass wieder Lanois und der britische Ambient-Spezialist Brian Eno Tonregie führten. Sie hatten für U2 schon deren künstlerisch beste Alben produziert, «The Unforgettable Fire», 1984, und «Achtung Baby», 1991. Und das kommerziell erfolgreichste, «The Joshua Tree», 1987. Zur Einfachheit jener Tage wollten U2 zurück. Und an die Weltspitze.

Beides dürfte gelingen. Denn Lanois spürt die Wünsche der Musiker. «Ich versuche, den Künstler, den Song, den eigentlichen Gehalt hervorzuheben: die Stimme, den Text. Alles andere ist Ballast», sagte er der «Irish Times». «Ich will zum Herzen des Künstlers vordringen, seine Seele beschützen, ich bin der Seelenpolizist.»

Der Seelenpolizist, wiewohl mehrfacher Grammy-Gewinner und einer der gefragtesten Produzenten, scheut jeglichen Rummel, lässt sich von seiner Managerin Melanie Ciccone, einer Schwester Madonnas, völlig abschirmen. Unter dichten Brauen und der Adidas-Wollmütze, die er meist trägt, lächelt der 49-Jährige ein scheues, schelmisches Knabenlächeln. Und lässt einen meinen, die Wunder, die er im Studio vollbringt, seien das Einfachste der Welt: «Oft schicke ich die Musiker einen Tag weg und verfremde in der Zwischenzeit die Aufnahmen ein bisschen, um etwas frischen Wind in die Songs zu bringen.»

Weit untertrieben. Lanois spielte Bass, Gitarre und Schlagzeug für Dutzende Musiker wie Jimmy Cliff, die Hothouse Flowers, Chris Whitley, Robbie Robertson, Youssou N`Dour; schuf Soundtracks für Filme wie «Philadelphia» und «Sling Blade»; produzierte über 70 Alben von Luscious Jackson bis Emmylou Harris. Verzichtet zwar auf Computer und Sampler, verwendet zumeist alte, analoge Verstärker - sorgt aber stets für nie gehörte Klänge.

Lanois zaubert Lagerfeuerstimmung in Hightech-Studios, seine Tonlandschaften atmen die Weite von Wüsten, Steppen, Hochebenen, sein Klangbild ist grobkörnig, seine Musik sumpfig suggestiv, seine Lieder emotional, nie effekthascherisch, die Räumlichkeit fassbar, als sässe die Band im Wohnzimmer des Zuhörers. Alles fliesst, angetrieben nicht von rockenden, sondern rollenden Drums, getragen von schwerelos schwebenden Gitarren. Immerzu brodelt es, nie kocht es über.

Am besten lässt sich Lanois` Stil aus seinen zwei Solo-Alben lesen: Sounds von triefender Verlorenheit, flutender Traurigkeit, einsamer Schönheit. Doch seine eigenen Platten hatten nicht dieselbe Resonanz wie seine Produktionsarbeiten, Warner Music liess ihn fallen, das für 1998 geplante dritte Werk «All the Pretty Horses» ist bis heute nicht erschienen.

Lanois produzierte schon als Teenager Musik. Er und sein Bruder Robert zeichneten in der Waschküche ihrer Mutter gegen ein Entgelt von 60 Dollar mit zwei Zweispur-Revox-Geräten lokale Bands auf. Der primitiven Technik blieb Lanois treu, als er vom kanadischen Hamilton in die USA übersiedelte: «Manchmal ergeben die billigsten Geräte die besten Resultate.» Wichtig ist, dass die Umgebung nicht steril ist. Sein Kingsway-Studio betrieb Lanois zu Beginn der Neunzigerjahre in einem 200-jährigen Haus in New Orleans, heute arbeitet er im Latino-Städtchen Oxnard nördlich von Los Angeles im «Teatro», einem ehemaligen mexikanischen Kino.

Meist platziert er Tontechniker und Musiker im selben Raum, drängt auf Live-Musik und rät seinen Klienten, nicht zu viel zu tun. «Wenn man an einem Stück zu lange bastelt, ist es am Ende zu glatt poliert, nicht mehr gefühlvoll», sagt er. «Am besten gelingt es, wenn du frisch drauflos spielst und die Verstärker dabei so voll aufdrehst, dass das Ganze leicht verfremdet wird.»

Frisch drauflos: Diese Einfachheit ists, die U2 sich von Lanois erhofften, denn das Publikum will die guten alten U2. Zwar war die letzte CD «Pop» besser als ihr Ruf, doch trotz immensem Medienrummel gingen in der Schweiz bloss 50`000 Stück weg - ein Jahr später verkaufte sich die Sammlung alter Hits ohne einen einzigen Artikel in der Presse über 150`000-mal.

Wie sollte Lanois die abgehobenen U2 wieder auf den Boden holen? Er bestand darauf, in deren Heimatstadt Dublin aufzunehmen. «Er fand, es würde uns gut tun, wenn wir jeden Abend nach Hause gehen und uns mit weltlichen Problemen wie einem Loch im Dach beschäftigen müssten», sagte Schlagzeuger Larry Mullen der Popzeitschrift «Q». Dem Psychologen Lanois gelang es, die Band neu zu erden. Vorbei die dadaistische Luftigkeit von «Zooropa» und der Zynismus von «Pop». Stattdessen die alten Qualitäten: The Edges Flackergitarre, zögerlich-hymnische Melodien, das Quengelnd-Triumphierende in Bonos Gesang. Dazu Kitsch, Pathos, Gottesfurcht.

Das Dilemma von U2 war, dass sie sich als grösste Rockband der Welt gebärdeten, diese Rolle aber zunehmend ironisierten: grandios und klug 1992/93 auf der «Zoo-TV»-Tour, einer multimedialen Reflexion über Starkult, Medienmacht, Massenwahn, Faschismus. Nur mehr tumb und überkandidelt 1997/98 in «PopMart».

U2 haben das Dilemma gelöst. Die Ironie ist weg, sie sind wieder ganz die Alten. Bono besucht brav den Papst, setzt sich politisch korrekt für die Entschuldung der Dritten Welt ein, zeigt sich an einer Kundgebung für die burmesische Dissidentin Aung San Suu Kyi, singt über den moralischen Zwiespalt eines Mannes in der Midlife-Crisis, der vom Fremdgehen träumt und sich doch seiner familiären Verantwortung bewusst ist, und giftelt kulturpessimistisch gegen Hip Hop und Internet.

Lanois, dem Seelenpolizisten, ist es tatsächlich geglückt, die Seele von U2 freizulegen, und die ist zutiefst konservativ.

Der Produzent Lanois hat es immer wieder geschafft, mit herkömmlichen Mitteln prickelnd neue Sounds zu schaffen. Er führt Musiker an neue Orte, sofern sie willens sind, sich führen zu lassen. Doch diesmal wollten die Auftraggeber das Altbackene: U2 wollten mit Lanois nicht zur Aufbruchstimmung von «Achtung Baby», sondern zum Kommerz von «The Joshua Tree» zurück. Was Daniel Lanois davon hält? Er äussert sich nicht.

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